Ich sage euch: Man muss noch Chaos in sich haben,

um einen tanzenden Stern gebären zu können. (Nietzsche)



ADHS - eine besondere Art des Seins.

Das Akronym ADHS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizitstörung, wobei „H“ für Hyper- bzw. Hypoaktivität steht. Die meisten Menschen assoziieren mit ADHS den hyperaktiven Zappelphilipp. Daneben gibt es jedoch auch eine hypoaktive Form, von der überwiegend Mädchen und Frauen betroffen sind. Dabei ist ADHS keine Krankheit, sondern eine angeborene Normvariante des menschlichen Gehirns. ADHS ist eine besondere Art menschlichen Seins mit außergewöhnlichen Stärken, aber auch Schwächen, die das Leben für die Betroffenen und ihr Umfeld überaus kompliziert und anstrengend machen können.

 

Was im Gehirn von Personen mit ADHS anders läuft, ist noch nicht abschließend geklärt, was bei der Komplexität menschlicher Gehirne nicht verwundert. Es gilt heute jedoch als gesichert, dass ADHS mit einer geringeren Aktivierung bestimmter Hirnregionen, die für Aufmerksamkeit und die Verhaltensregulierung zuständig sind, einhergeht. In bildgebenden Verfahren zeigte sich, dass ADHS-Gehirne Defizite im Präfrontalen Cortex, dem Hippocampus und Bereichen des limbischen Systems aufweisen - also in Arealen, in denen Aufmerksamkeit, Emotionen, Belohnung, Impulsivität, Arbeitsspeicher beheimatet sind. Alle bisher wissenschaftlich gefundenen Resultate genetischer und bildgebender Untersuchungen (bezüglich der Gehirnstrukturen, der Aktivierung von Hirnarealen und der Neurorezeptor-Bildgebung) weisen außerdem auf eine genetisch bedingte Störung im Dopamin- und Noradrenalinsystem als eine wesentliche Ursache der Symptomatik hin.

 

ADHS äußert sich durch:

  1. Störung der Aufmerksamkeitssteuerung, die sich sowohl in erhöhter Ablenkbarkeit und Konzentrationsstörungen, wie auch in Hyperfokussierung äußern kann.
  2. Hyper-/ Hypoaktivität: äußere und  innere Unruhe bzw. Antriebschwäche (oft im Wechsel)
  3. Affektlabilität: aus heiterem Himmel und durch geringe Reize kann es zu schnellen und starken Ausschlägen in der Stimmung kommen. Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt.
  4. Impulsivität: Handeln ohne über die Folgen nachzudenken, herausplatzen, erhöhte Risikobereitschaft. Eine angemessene Verhaltensregulierung der überschießenden unberechenbare Gefühle und Erregungszustände kann nicht zuverlässig und vorhersehbar erfolgen. So wie die Reize ungefiltert auf ADHS-Betroffene einstürzen, so ungefiltert sind ihre Reaktionen mitunter.
  5. Chaos, Desorganisation: Betroffenen leiden darunter, dass ihre Gedanken immer wieder um die Bewältigung der einfachsten täglich anfallenden Arbeiten kreisen ohne sie aktiv angehen zu können oder zu Ende zu bringen. Das andere Extrem ist zwanghafter Ordnungswahn, um bei der Bewältigung alltäglicher Arbeiten nicht völlig unter zu gehen.
  6. Schnelle Erschöpfbarkeit und Lustlosigkeit. 

Diese Kennzeichen von ADHS sind nicht per se negativ. Sie haben vielmehr ein unglaubliches Potential.

 

Die Stärken von ADHS

  1. Die Reizoffenheit lässt Betroffene sehr vielschichtig und differenziert wahrnehmen.
  2. Die Sensibilität und Fähigkeit Stimmungen schnell zu erfassen, ist die Basis für Empathie.
  3. Sprunghaftigkeit und Spontanität sind das Potential für Kreativität.
  4. Chaos beinhaltet Flexibilität.
  5. In der Impulsivität liegen die Fähigkeit schnell zu handeln und die Bereitschaft neue und andere Wege zu gehen.
  6. Die erhöhte Konzentrationsfähigkeit im Hyperfokus macht extrem leistungsbereit, unbeirrt und umsetzungsstark.

Diese positiven Seiten können ADHS-Betroffene zu verhaltensoriginellen, charismatischen, inspirierenden und einfühlsamen Menschen machen, ohne die unsere Welt ärmer und weniger bunt wäre. Nicht von Ungefähr sind unter ErfinderInnen, KünstlerInnen, SchauspielerInnen, SchriftstellerInnen, Revolutionären, RednerInnen, SportlerInnen sehr viele Menschen mit ADHS zu finden. Wie auch in sozialen Berufen und unter PsychiaterInnen, PsychologInnen, LehrerInnen, sowie in Berufen, in denen man von jetzt auf gleich hellwach, ruhig und handlungsbereit sein muss, wie bei Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Krisenmanagement, etc.

 

Gehirne von ADHS-Betroffenen "arbeiten" also nicht schlechter als andere Gehirne, sondern einfach anders.

Das ADHS-Gehirn arbeitet sich vom Chaos in die Struktur. Es kann nicht linear / analytisch denken. Es arbeitet flächig: unzählige, kleine Puzzleteile, die es einsammelt, ergeben nach und nach ein Gesamtbild. Es hat eine Art Fehlsichtigkeit für die Zukunft. Es lebt im Hier und Jetzt und kann schwer auf ein Ziel hinarbeiten. Der Weg ist das Ziel und das Ziel ergibt sich aus dem Weg. Es tut sich schwer Prioritäten zu setzen und ist schwer steuerbar. Außer es ist im Hyperfokus. Dann gibt es nur diese eine Sache, die es dann unbeirrt,  hochkonzentriert und ohne zu ermüden verfolgt.

 

ADHS Gehirne sind unorthodox, spontan, kreativ, intuitiv.

Sie können ziemlich genial sein, allerdings oft zu den unmöglichsten Zeiten.

 

Diese Seite ist noch im Entstehen.

Flächig, nicht linear, etwas chaotisch in der Arbeitsweise ...

kurz: ein intuitiver Kreativprozess.