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Dankbarkeit

Die Frage, mit welchem Thema ich diesen Blog am besten beginne, hat mich geraume Zeit sehr beschäftigt. Die Liste der Themen, über die ich gerne bloggen möchte, ist mittlerweile lang. Jetzt zu Weihnachten und Ende des Jahres bieten sich so wundervolle Themen wie Besinnung, Liebe, Familie, Rückblick, Ausblick, Vorsätze an. 

 

Und plötzlich hat mich Dankbarkeit gefunden.

Und zwar just in dem Moment als mir bewusst wurde, dass aus der Freude einen Blog zu starten, Unruhe, Unzufriedenheit, Stress geworden waren. In dem Augenblick als mir bewusst wurde, dass ich dabei war, ein Problem zu schaffen. Dieser Moment des Erkennens war erfüllt von tiefer Dankbarkeit:

  • für das Erkennen
  • für den Frieden, der in mir einkehrte
  • für die Fähigkeit, solch unheilsame Muster durchschauen zu können
  • für das erste Thema dieses Blogs
  • für die Dankbarkeit, die mich wiedergefunden hatte
  • für das Erinnern
  • dafür wieder aus dem Vollen schöpfen zu können

Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.

(Jean Baptiste Massilion)

Wertschätzung für das Leben

Wie schnell gewöhnen wir uns - an die Menschen in unserem Leben, Arbeit, Gesundheit, das Dach über dem Kopf, Kleidung, Nahrung, Strom, die funktionierende Heizung, ein spirituelles Leben, die eigene Webseite, einen Blog, ... Alles ist ganz normal, selbstverständlich und keiner Beachtung mehr wert. Und schon streben wir weiter - immer auf der Suche nach dem Beachtenswerten, dem Neuen, Anderen, Besseren, Schlechteren, Besonderen. Und ehe wir es überhaupt bemerken, haben wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit und unsere Energie auf vermeintliche Defizite gerichtet. Mitten in der Fülle des Lebens sind wir zu einem Mangelwesen geworden und so fühlen wir uns dann auch: bedürftig, getrieben, unruhig, suchend, unzufrieden, angespannt.

 

Dankbarkeit lässt uns wieder den Reichtum und die Fülle unseres Lebens SPÜREN. Dankbarkeit ist ein Gefühl und im Körper und Herzen direkt erlebbar. Sie bringt uns ins Hier und Jetzt - mitten in ein freudiges, warmes, ruhiges, gelassenes (Er)Leben. Dankbarkeit holt uns aus dem Denken zurück in den Körper, in den direkten Kontakt zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen. Dankbarkeit entsteht in und aus Resonanz. Wir Menschen brauchen Resonanz. Sie schafft die Räume, in denen wir uns entwickeln können. Dankbarkeit kann so ein Raum sein. In uns und in anderen. Für uns und für andere.

Dankbarkeit bringt

Sinn in unsere Vergangenheit, Frieden in unsere Gegenwart

und Perspektive in unsere Zukunft.

(Melody Beatty)

Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft

Dabei ist Dankbarkeit nicht Stillstand. Dankbarkeit ist ein Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie entsteht aus dem rückblickenden, wertschätzenden Erleben der Gegenwart und strahlt in die Zukunft. Wir müssen keine Mängel beheben oder dem Glück hinterher hecheln. Wir können unsere Energie nutzen und das verfolgen, was uns ein echtes Anliegen ist. Aus „ich muss“ wird „ich möchte“, aus Abarbeiten wird Entstehen-lassen, aus Enge wird Offenheit. 

 

Auch ich hatte wieder mal den wertschätzenden Kontakt zu mir verloren. Ich hatte mein Leben als selbstverständlich und als nichts besonders angesehen. Dabei ist dieser Blog überhaupt erst durch die Veränderungen und Entwicklungen der vergangenen Monate / Jahre möglich. Eine eigene Webseite zu betreiben, auf der ich meiner Schreibleidenschaft frönen kann, ist die Ernte einer langen Zeit des Reifens und Wachsens. 

Nicht die Glücklichen sind dankbar.

Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.

(Francis Bacon)

Wie können wir Dankbarkeit in unser Leben einladen?

Wenn uns etwas Gutes widerfährt, entsteht Dankbarkeit oft ganz spontan. Solch gute Momente finden allerdings nicht ständig statt. Außerdem übersehen wir sie im Alltag nur zu oft. Dankbarkeit ist, wie alle guten Gefühle, sehr flüchtig. Ein kurzer Moment der Freude und schon kreist der Geist wieder um alles mögliche. Meist eher um Probleme und Mängel als um positive Dinge. Und wer ist schon dankbar, wenn das Leben nur so lala oder nicht gut läuft. Alltag, Autopilot und die Tendenz zu Negativität sind die natürlichen Feinde von Dankbarkeit.

 

Dankbarkeit kann nur entstehen, wenn wir achtsam sind. Wenn wir im Leben anwesend sind - aufmerksam, bewusst, annehmend und anerkennend. Wenn wir sehen, fühlen, spüren und wertschätzen, was wir haben und was uns Gutes widerfährt. Und das ist in unser aller Leben sehr viel. Solange wir atmen, ist mit uns mehr in Ordnung als nicht in Ordnung.

 

Es gibt unendlich viele Gründe, dankbar zu sein:

  • Gesundheit
  • Familie
  • Freunde
  • Arbeit
  • den Kaffee am Morgen
  • ein Essen mit Freunden
  • ein Retreat mit deine*r Lieblingslehrer*in
  • die Luft zum Atmen
  • Zugang zu haben zu Nahrung, Bildung, Kultur, Meditationsangeboten
  • am Leben zu sein
  • in einem freien Land zu leben
  • stets eine Wahl zu haben
  • die guten, heilsamen Gefühle, zu denen wir jederzeit Zugang haben, wenn wir uns an sie erinnern

Dankbarkeit bedeutet, das Gute im Leben nicht als selbstverständlich anzusehen, es zu übersehen, sondern die Aufmerksamkeit immer wieder bewusst darauf zu richten, es wertzuschätzen - auch und vor allem in schlechten Zeiten. Weder wir selbst, noch unsere Mitmenschen, das Wetter, das Leben, die Welt sind zu irgendeinem Zeitpunkt ausschließlich schlecht. 

 

So ist es keine Kunst, für gute Gesundheit dankbar zu sein, solange wir jung, gesund und voller Energie sind. Die Kraft der Dankbarkeit entfaltet sich in den Zeiten, in denen wir Schmerzen haben, mit körperlichen Einschränkungen konfrontiert sind, krank sind. Wenn es dann gelingt, das Gesunde in uns zu sehen und anzuerkennen, zu sehen, dass wir nicht ausschließlich krank, voller Schmerzen und eingeschränkt sind, verschieben sich Wahrnehmung und Einstellung aus dem Defizit, der Unzufriedenheit, der Anspannung in Richtung Entspannung und Zufriedenheit. Aus diesem Raum, in dem positive Energie vorherrscht, können wir annehmend, heilsam und verbindend in Kontakt sein... mit uns, unseren Mitmenschen, dem Leben, der Welt!

 

Wenn uns das dauerhaft gelingt, ist Dankbarkeit weit mehr als Wertschätzung für das Leben. Dann kann sie zu einer sehr heilsamen, gesunden, inneren Haltung - zu einer Lebenseinstellung werden. Einer Lebenseinstellung, die uns allen gleichermaßen dient. 

Worauf warten wir?

Es kostet nichts dankbar zu sein. Doch es ändert einfach alles.

(Unbekannt)


Tägliches
Dankbarkeitsritual

 

Rufe dir jeden Tag
ins Gedächtnis, wofür
du in deinem Leben
dankbar bist.

Mache dir am Ende
eines Tages nicht zu
viele Gedanken, was
alles schlecht lief.
Lausche in dich
hinein, empfange,
was dir an diesem
Tag Freude bereitet hat und erlaube
dir noch einmal in
das Erleben dieser
Freude einzutauchen, darin zu baden und sie in vollen Zügen
zu genießen.

 Schließe jeden Tag
mit dieser Übung ab. Schlafe mit dem warmen, zufriedenen, entspannten, freudigen Gefühl
der Dankbarkeit ein.

___________

 

Gute Gefühle heute erhöhen die Wahrscheinlichkeit

auf gute Gefühle morgen.

(Rick Hanson) 

 Dankbarkeitsbrief

 

Schreibe einen Brief an ein Wesen, dem du  dankbar bist. Das kann ein Mensch oder Tier sein, lebend oder auch bereits verstorben. Es kann eine reale Person sein, die gut kennst - vielleicht ein Freund, eine Freundin, ein/e Mentor/in, jemand aus deiner Verwandtschaft. Es kann auch jemand sein, den du  nicht näher kennst. Jemand, der für

einen Moment

Freude und Wärme

in dein Leben brachte. Vielleicht ist es auch eine Figur, die nur in deiner Vorstellung existiert.

 

Schreibe auf wofür du dankbar bist, was diese Figur, dieser  Mensch, dieses Tier dir bedeutet und spüre, wie das Gefühl der Dankbarkeit in dir aufsteigt.

 

Vergiss nicht, darin einzutauchen, darin zu baden - es im Körper zu verankern.  


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