Wie läuft ein MBSR-Kurs ab?

Ein MBSR-Kurs geht über acht Wochen und umfasst 

  • Ein Kurstreffen pro Woche je ca. 2,5 Stunden. In diesen Treffen lernen wir die formalen Übungen kennen, üben und vertiefen sie, und tauschen uns über unsere Erfahrungen beim Üben aus. Jede Kurswoche steht unter einem Schwerpunktthema, wie z.B. Achtsamkeit, Wahrnehmung, Stressentstehung, Kommunikation, Selbstfürsorge, das wir näher beleuchten.
  • Einen sechsstündigen Tag der Achtsamkeit in Schweigen, an dem wir bekannte und neue formale Übungen im Fluß praktizieren, in den Pausen in Stille achtsam essen und trinken und in die Kraft der Muße eintauchen.
  • Tägliches Üben der formalen Praktiken zu Hause. 
  • Weitere Übungen für zu Hause, die die Selbstwahrnehmung schulen.

Zentraler Aspekt des Kurses ist es,  Achtsamkeit zu üben, dazu nutzen wir im MBSR vier verschiedene Praktiken.


Body Scan

 

Beim Body Scan scannen wir unseren Körper innerlich - Körperteil für Körperteil - und üben so, ihn achtsam wahrzunehmen. Dabei interessiert uns weniger die Qualität der wahrgenommenen Körperempfindungen, seien sie angenehm oder unangenehm, als vielmehr der Wahrnehmungsprozess an sich und unsere gedanklichen und emotionalen Reaktionen auf das Wahrgenommene.

Die Aufgabe besteht also darin, allen Empfindungen, Gedanken und Gefühlen wertfrei, nicht urteilend  zu begegnen, ohne auf sie zu reagieren. Was so einfach klingt, stellt sich in der Praxis meist als (sehr) große Herausforderung dar.

 

Der Body Scan ist eine fundamentale Übung, bei der wir durch das annehmende Erleben des Körpers in seiner Gänze und Ganzheit - mit all seinen Schwächen und Makeln - unmittelbar und pur in Kontakt mit uns selbst kommen können.


Achtsames  Yoga

 

Das beim Body Scan kultivierte Körperbewusstsein wird im achtsamen Yoga noch weiter vertieft.

Dabei geht es nicht so sehr um die äußere Form, das 'korrekte' Ausführen von Haltungen und Bewegungen, sondern um die innere Haltung - darum, die Bewegungen bewusst auszuführen und zu wissen, dass wir sie ausführen. In den achtsamen und sanften Körperübungen, die im Liegen und Stehen geübt werden, erforschen wir die Grenzen von Körper und Geist und lernen unsere Reaktions- und Verhaltensmuster  kennen.

 

Das Spüren und Erleben des Körpers, diese verkörperte Präsenz, öffnet uns für das direkte Erfahren des Seins. Wir wechseln vom Kopf in den Körper.  Vom Denken ins Erleben.


Sitzmeditation

 

ist die zentrale Praxis im MBSR-Programm.

Beim Body Scan und im Yoga haben wir bereits geübt, die Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes auszurichten - auf Empfindungen im Körper und auf Bewegungen - und sie immer wieder zurückzuholen, wenn sie abschweift. Beim 'Sitzen' richten wir die Aufmerksamkeit zu Beginn auf den Atem und mit fortschreitender Übung auf weitere Objekte wie Geräusche, Gedanken oder Gefühle.

Dabei geht es nicht so sehr um das Wahrgenommene, die Objekte oder um bestimmte Zustände wie Ruhe, Entspannung, Freude, sondern um den Prozess des Beobachtens - um ein offenes, freundliches Gewahrsein.

Die Sitzmeditation ist wie ein Trainingslager, in dem wir ohne Ablenkung für den Alltag üben können,
einen Schritt vom eigenen Erleben zurück zu treten und Gedanken und Gefühle aus einer wohlwollenden, beobachtenden Distanz heraus zu betrachten - uns weniger von ihnen vereinnahmen zu lassen, sondern sie als Ereignisse, die wie der Atem und Geräusche kommen und gehen, wahrzunehmen.

 

Wenn wir innehalten, aus dem Autopilot - unseren automatischen Denk- und Verhaltensmustern aussteigen, wenn wir unangenehme Gefühle, Gedanken, Erfahrungen nicht ablehnen und angenehme nicht festhalten, öffnet sich ein Raum, in dem wir hinter die Schleier unserer Denkgewohnheiten sehen und die Vielfalt unserer tatsächlichen Möglichkeiten entdecken können.


Gehmeditation

 

In der Gehmeditation geht es nicht darum, irgendwo hinzukommen, sondern um das Gehen an sich im gegenwärtigen Moment - um das volle Gewahrsein des Gehens, ohne uns von äußeren oder inneren Dingen ablenken zu lassen.

In der formalen Praxis üben wir das 'Gehen' in ruhiger Umgebung, in einem Tempo, in dem wir die Bewegung und den Kontakt der Füße zum Boden achtsam und entspannt wahrnehmen können.

 

Im Alltag können wir die Gehmeditation dann jederzeit nutzen und vom aufgeregten, hektischen Tun ins ruhige, unaufgeregte Sein zu wechseln - auf dem Weg zum nächsten Termin, vom Auto zum Supermarkt, während wir den Müll raus bringen ...